"Kanale Grande, du durchfließt mein Heimatland"

20.06.2026

Die traditionelle Radtour des Männergesangsvereins führte in diesem Jahr entlang des Finowkanals

"Treffpunkt 9 Uhr an der Kirche in Marienwerder." Den Teilnehmern der traditionellen Radtour des Männergesangsvereins "Frohsinn" sind Zeit und Ort vertraut. Hier geht es um diese Uhrzeit immer los, wenn sich die sangesfreudigen Herren - im günstigsten Fall mit ihren Partnerinnen - jedes Jahr im Frühsommer einfinden, um Leib und Seele beim gemeinsamen Fahrradfahren zu ertüchtigen und den Gemeinsinn zu stärken. So auch an diesem Samstag, den 20. Juni 2026. Der relativ frühe Zeitpunkt ist diesmal ein Segen: Es wird ein drückend heißer Tag werden, an dem der Fahrtwind wie ein Labsal wirkt. So geht es für die sieben Männer und drei Frauen also zügig los. Führt die Route zunächst auf dem Usedom-Radweg gen Finowfurt, wird danach der Finowkanal zur weiteren Richtschnur der Radler.

Schon eine Stunde nach dem Start ist die erste Pause angesagt. Sangesbruder Hans-Christian und seine Frau laden zum Frühstück in ihren Kleingarten, der nur einen Steinwurf vom Finowkanal entfernt liegt. Nach dem kräftigen Mahl und den Lobeshymnen auf das gärtnerische Geschick des Chorfreundes wird die eigentliche regionale Hymne angestimmt: "Kanale Grande, du durchfließt mein Heimatland", das Hohelied des einheimischen Tondichters Fritz Derkow auf den Finowkanal.

An selbigem entlang geht es dann weiter in Richtung Eberswalde, vorüber an den eindrucksvollen Zeugnissen der einstigen Großbetriebe wie Kranbau, Walzwerk, Papierfabrik und Kraftwerk, die die Stadt weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt machten. Willkommene Erfrischung gibt es dann im Eiscafé "Venezia", das seinen Besuchern allerdings den Aufenthalt auf seiner Terrasse untersagt, wenn sie nur ein Eis "auf die Hand" zu sich nehmen.

Sei's drum, wir müssen ohnehin rasch weiter: Sangesbruder Jörg hat in seinem Kleingarten in Westend alles vorbereitet für ein üppiges und leckeres Mittagessen. Bei solch guter Beköstigung wird den Radlern auch die Laune nicht verdorben, als sie feststellen, dass sich aus einem Reifen die Luft verflüchtigt hat. Lautstarke und vielstimmige, gleichwohl einander widersprechende Ratschläge begleiten die schweißtreibenden Reparaturarbeiten des rad-erfahrensten Teilnehmers Knut. Unbeeindruckt davon und mit kundiger Hand hat er wenig später den Schaden behoben.

Weiter geht es, nun schon auf die Rücktour, durch die Innenstadt von Eberswalde, vorüber an Forstbotanischem Garten und Zoo, geradewegs durch den Wald bis zur Überquerung der Autobahn und schließlich wieder auf den Usedom-Radweg. Nach 42 Kilometern fallen bei der Ankunft an der Kirche in Marienwerder die ersten Regentropfen vom Himmel. Der Wettergott scheint ein Herz zu haben für Freunde des Chorgesangs.

Matthias Schlegel